Die Großfotos  „Skulpturen von Gerhard Marcks“

 

Gerhard Marcks (1879-1992) ist einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer des 20. Jh. Er steht ebenbürtig neben Barlach. Kollwitz, Kolbe, Lehmbruck. Er arbeitete an den Kunstakademien Bauhaus in Weimar und Giebichenstein bei Halle. 1933wurde er von seinem Lehramt auf Betreiben der Nazis entfernt. Später zählte er zu den entarteten Künstlern, die 1937 auf der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ verächtlich gemacht wurden. Während der Nazizeit lebte er von privaten Aufträgen. Während des Krieges wurde sein Atelier in Berlin mit allen dort befindlichen Werken durch Fliegerbomben zerstört. Nach dem Krieg kam er zu hohen Ehren. Er war Mitglied des hoch angesehenen Ordens „ Pour le merite“. Er wirkte in Hamburg und Köln. In Bremen befindet sich das Gerhard Marcks-Haus, das den Nachlass des Künstlers und seine Werke betreut.

 

Zu den bedeutenden Skulpturen von Marcks gehört das 1939 in Bleicherode auf dem Schillerplatz aufgestellte Werk „Krieg und Frieden“. Es ist eine Ironie dieser Zeit, dass die Einweihung dieses Denkmals mit großer nazistischer Kundgebung und Beteiligung der Nazipartei stattfand, obgleich das Regime Marcks doch lange vorher als entarteten Künstler geächtet hatte und seine Werke aus öffentlichen Ausstellungen entfernt worden waren. Die Entstehung und Aufstellung der Skulptur ist dem damaligen Bergwerksdirektor Kropp zu verdanken, der zum Bildhauer persönlichen Kontakt hatte und seine Kunst schätzte.  Bei der damals einflussreichen Preußag AG, der das Kaliwerk Bleicherode gehörte, setzte der das Regime ablehnende Kropp den Auftrag für Marcks durch, ein Denkmal für die im Betrieb und im Krieg umgekommenen Bergleute zu schaffen. Auch konnte er die Schwierigkeiten meistern, die von Behörden noch kurz vor der Einweihung bereitet wurden. An der Einweihung nahm er nicht teil.

 

Die Skulptur ist keine Kriegsverherrlichung. Der nachdenkliche und ideal geformte Jüngling, der den Frieden darstellt, trägt den Lorbeerkranz als Zeichen des Siegers in der historischen und immer wieder aufbrechenden unseligen Konkurrenz zwischen den  Symbolgestalten Krieg und Frieden (von Marcks auch „Zwillinge“ genannt). In der Nachkriegszeit wurde das Denkmal kaum beachtet, es entsprach nicht dem sozialistischen Realismus. Erst nach der Wende fand es wieder Aufmerksamkeit.

 

 

Der Förderverein Alte Kanzlei konnte wegen des Denkmals „Krieg und Frieden“ Kontakt mit dem Gerhard Marcks-Haus in Bremen bekommen. Es gelang in Kooperation mit Bremen, eine Sammlung von 30 Großfotos von besonders eindrucksvollen Plastiken des Künstlers zu erstellen. Die Kreissparkasse spendete die Wechselrahmen. 2014 konnten die Bilder bei der Einweihung des neuen Gesellschaftsraumes im Scheunenbau der Kanzlei mit einem Vortrag des Leiters des Marcks-Hauses, Dr. Hartog, erstmalig gezeigt werden. Im Gesellschaftraum befindet sich auch eine vom Marcks-Haus gestaltete Darstellung der Entstehungsgeschichte des Bleicheröder Denkmals.